Zweisprachigkeit? Ja, aber…

Zur Beurteilung eine Hörprobe auf Französisch auf Canal 3.

Ganz so einfach ist es nicht, diese zweite Sprache in Biel zu sprechen. Es braucht immer wieder Anstrengungen. Aber mir macht es Spass und ich spreche gerne Französisch.

Für die Minderheit ist die Zweisprachigkeit eine besondere Herausforderung. Sie wird je länger je mehr gezwungen, die andere Sprache zu lernen oder wegzuziehen. Ein französischsprachiger Bieler Freund sagte einmal: „Bilinguismus ist der Tod des Französischen in Biel“. Auch wenn das übertrieben ist, gibt es kaum Lehrstellen, die keine Deutschkenntnisse voraussetzen. Umgekehrt aber schon.

Zweisprachigkeit hat also auch seine Nachteile. Biel ist dadurch eine spezielle Stadt was die Werbung angeht. Schon nur aus kulturellen Gründen müssen die französischen und die deutschen Plakate verschieden sein. So ist Biel zwei kleine statt eine grosse Stadt.

Biel hat aber den Vorteil, dass hier Menschen erwachsen werden, die beide Kulturen kennen. Sie haben das Gefühl für die feinen Unterschiede, die zu Missverständnissen und Verletzungen führen können, wenn die Beteiligten sie nicht kennen.

Die Zweisprachigkeit muss gelebt, nicht gefördert werden. Wir müssen die Menschen ermuntern, die andere Sprache zu sprechen und zu lernen. Es gibt nämlich auch im Stadtparlament etliche, die sich nicht bewusst sind, dass sie die andere Sprache nicht nur nicht sprechen können, sondern auch schlecht verstehen. Von der Tribüne aus sind manchmal zwei getrennte Debatten gleichzeitig zu hören, weil die Rednerinnen und Redner nur auf das in der eigenen Sprache Gesagte reagieren.

Könnten alle Schulen konsequent zweisprachig sein? Aus Sicht der Brücken zwischen den Kulturen und aus Sicht der Kohäsion in der Schweiz: Ja. Aus Sicht derjenigen, die in diesen Schulen arbeiten und die sie organisieren müssen: Nein, keine Chance. Aber träumen ist erlaubt.

Und schliesslich werde ich in den nächsten Jahren immer besser Französisch sprechen und schreiben. Es macht nämlich Freude.

2 Gedanken zu „Zweisprachigkeit? Ja, aber…“

  1. Achtung ! Es sind nicht alle gymnasiale Genies. Es gibt solche, die rudern in der 1. 2. und 3. Muttersprache Salatsauce und bräuchten einfach mal einen sicheren Hafen. Meine Erfahrung heisst: Begabte Schüler machen fast bei jeder erdenklichen Lernanlage Fortschritte, und die weniger begabten werden laufend überfordert. Sie flüchten sich in Scheinkompetenzen. Ich selber bin beim Smaltook-français stehengeblieben, my english is terrible und maia ruski jasik koschmar. Darum ist unsere Forderung nach konsequenter Zweisprachigkeit etwas hochgegriffen. Im Namen aller Sprachpfeifen, Andreas Riedwyl

  2. Richtig, Andreas. Das ist der Grund für die zwei gleichzeitigen Debatten im Stadtrat. Das ist der Grund, warum ich so rasch als möglich auf Französisch – oder das, was ich für Französisch halte – wechsle.
    Auf der andern Seite bin ich selbst in einer zweisprachigen Umgebung aufgewachsen und habe gesehen, dass selbst die einfachsten Leute leidlich Romanisch und Deutsch sprechen und verstehen können. Ich plädiere dafür, dass jeder immer wieder versucht, in der andern Sprache zu sprechen und diejenigen, die es besser können, eher.
    Das „à la biennoise“ ist eine Illusion, eine kulturell gut verankerte Illusion.

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