Stadtrat 21. November 2013

Guten Abend miteinander, es ist Stadtrat.

Begonnen hat es mit einem Paukenschlag: Gleich drei Fraktionen kritisierten den Gemeinderat für das Verhalten während der Budgetdebatte und in den Medien. Der Stadtpräsident hat sich ganz besonders schlecht benommen. Nicht nur hat sein taktisches Manöver nicht geklappt, er hat sich dann auch noch im BielBienne gegen das Budget geäussert.

Die Ratssekretärin wurde hinterhältig ausgespielt, die Stadtschreiberin spielte eine zumindest zweifelhafte Rolle. Das wird noch ein Nachspiel haben.

Dann ist der Finanzplan dran, Diskussionen über „Sparen“ und das wirkliche Loch, Aufrufe für das Budget und nicht wirklich Lösungen.

Die Interpellation Bohnenblust nehme zum Anlass. Auf mich geht der Gemeinderat Feurer nicht ein, also habe ich Recht, es stimmt, er ist überfordert. Denkt daran in drei Jahren, liebe Wählerinnen und Wähler!

Nach der Pause. Interpellationen.

Dann wird mein OGD-Vorstoss mit grosser Mehrheit angenommen. Etwas schwieriger hat es der Verkauf der Unionsgasse, der schliesslich die Unterstützung bekommt. Das Bauzeitenpostulat wird ebenfalls gut geheissen, aber auch gleich als erfüllt abgeschrieben. Mein Votum dazu:

Besten Dank für die Ausführungen. Sie zeigen, dass die Bauzeiten im Fokus der Baudirektion sind und dass geprüft wurde, was sie verkürzen könnte. Gewerbler/innen und Autofahrer/innen danken es Ihnen. Ich bin überzeugt, dass die Baudirektorin darauf achten wird, dass die Anreize für die Bauunternehmer richtig gesetzt und die wirksame Koordination komplizierter Baustellen clever motiviert werden. Insbesondere ist zu begrüssen, dass Unternehmungen, welche die vertraglichen Fristen nicht respektieren, dafür einen Nachteil in der Beurteilung künftiger Angebote haben.

In diesem Sinne bin ich mit dem Erheblich-Erklären und Abschreiben einverstanden.“

Wird auch so mit grossem Mehr angenommen.

Reorganisationen Gymnasien: „Am Anfang des Wirtschaftsgymnasiums stand eine Beleidigung. Weil die Gymnasiallehrer/innen in den 1960ern Wirtschaft für nicht gymnasial erklärten, wurde die Schule geschaffen. Mario Hess hat die Gunst der Stunde genutzt und mit viel Engagement und Unterstützung das gebaut, was heute das Gymnasium Alpenstrasse ist. Es wäre unverständlich, wenn die geplante Reorganisation der Bieler Gymnasien keinen Widerstand auslösen würde. Das würde nämlich heissen, dass die Aufgabe nicht ernst genommen wird. Das Anliegen der Motionärin ist deshalb verständlich und verdient grundsätzlich Unterstützung.

Allerdings müssen wir genau hinsehen und drei Herausforderungen auseinanderhalten. Dies sind die Wirtschaftsmittelschule, die Zweisprachigkeit und die Erfordernisse des Bildungsstandortes.

Die Wirtschaftsmittelschule und damit die Frage nach dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis ist unabhängig von der Frage der Reorganisation der Gymnasien. Tatsächlich geht es um die Frage, ob das eidgenössische Fähigkeitszeugnis in Biel und in beiden Sprachen in einer Schule erworben werden soll. Hier ist der Unterschied zwischen den Sprachgruppen traditionell gross, in der der Deutschschweiz ist das EFZ an der Wirtschaftsmittelschule die Ausnahme. Auch stellt sich die Frage, ob eine Schule, die eigentlich eine Lehre anbietet, die unter ganz andere Bedingungen, insbesondere ganz anderem Recht und mit viel Praxisbezug stattfinden muss, im Gymnasium am richtigen Ort ist. Die Frage wurde im Kanton schon mehrmals anders beantwortet, als die Strukturen in Thun und Biel heute sind. Die nächste ernsthafte Überprüfung ist auf 2017 in Aussicht gestellt, das unter anderem mit Blick auf anvisierten Reorganisationen der Gymnasien, die bereits seit 1997 vom Grosse Rat postuliert wurde.

Bezüglich Sport-Kultur-Studium wird es trotzdem gute Alternativen geben, die Berufsbildung hat verschiedene Lösungsansätze. Für die Rezertifizierung der Schulen durch Swiss Olympic ist die Reorganisation der Gymnasien eine Chance. Für die Stadt ist sie das ebenfalls, da die Koordination vereinfacht und allenfalls Geld gespart werden kann. Hier noch einmal: Es ist verständlich, wenn die Betroffenen für die bestehenden Strukturen einstehen und sich gegen Veränderungen wehren, schliesslich erwarten wir, dass sie sich für ihre Aufgabe einsetzen. Fazit: Für SKS, für die Spitzenathlet/innen wird sich keine Verschlechterung einstellen, im Gegenteil.

Zweiter Punkt: Zweisprachigkeit.

Richtig ist: es wird keine zweisprachige Schulleitung eines Gymnasiums mehr geben. Falsch ist, dass dadurch die Zweisprachigkeit geschwächt wird. Im Gegenteil. Die meisten von uns sind nicht zweisprachig aufgewachsen. Die meisten Schweizer/innen wachsen nicht in zwei Landessprachen auf. Wir Bieler/innen wissen, was es bedeutet, zwei Kulturen nebeneinander zu haben. Es sind die kleinen Unterschiede, die zählen. Gerade im Unterricht und in der Erziehung gibt es viele Differenzen. Wie respektlos wäre die Forderung, die eigene Kultur aufzugeben. Nein, wir müssen einander respektieren und auf Augenhöhe, als gleichberechtigte Partnerkulturen begegnen. Wir müssen üben, jeden Tag, diese besonderen Verhandlungen über die Kulturen hinweg zu pflegen. Das wird am Strandboden seit Jahren gemacht. Am See werden zurzeit acht zweisprachige Klassen unterrichtet, an der Alpenstrasse nur zwei. Die Schulleitungen, Lehrer/innen und Schüler/innen treffen sich und arbeiten zusammen über die Sprachgrenzen hinweg, tagtäglich. Sie üben jeden Tag, diese Brücken zu bilden. Wie aber wollen Sie eine Brücke ohne Brückenköpfe bauen? Deshalb brauchen beide, die Romands und die Deutschsprachigen, ein Gymnase Français und ein Deutsches Gymnasium. Die beiden Schulen werden die Zweisprachigkeit weiter entwickeln und von den Erfahrungen des Gymnasiums Alpenstrasse profitieren. Sie sind im Projektauftrag zur Reorganisation dazu auch verpflichtet. Die Zweisprachigkeit stirbt nicht, sie wird gestärkt.

Dritter Punkt: Bildungsstandort Biel. In den letzten Jahren hat der deutschsprachige Teil der Bieler Gymnasien sowohl anteilsmässig als auch absolut erheblich Schüler/innen verloren. Der Rückgang war so dramatisch, dass in den beiden letzten Jahren zwei deutschsprachige Klassen an die Alpenstrasse umgeteilt wurden und keine zweisprachige Klasse mehr an der Alpenstrasse eröffnet werden konnte. Neben demografischen Gründen sind es die guten Lehrstellen und die tollen Berufsperspektiven, die es in unserer Region gibt. Das stärkt die duale Bildung und erhöht die ohnehin schon guten Chancen zu einer erfolgreichen Berufsbiografie. Diesen Rückgang hat das Seeland Gymnasium fast ganz allein getragen. Das ist sozialverträglich in kurzer Zeit nicht mehr möglich, wenn nicht die Reorganisation stattfindet. Die degressive Steuerung der Ressourcen bringt darüber hinaus mit sich, dass das Angebot für die Schüler/innen ohne Reorganisation erheblich eingeschränkt werden muss.

Sieht man von den Einschnitten in die Wirtschaftsmittelschule ab, die unabhängig von der Reorganisation sind, ergibt sich ein klares Bild: Unter dem Strich bringt die Reorganisation der Gymnasien mehr Leistung für die Schüler/innen bei tieferen Kosten. Und es bringt uns vor die Beleidigung von 1966 zurück.

In diesem Sinne ist der Motionärin für den Vorstoss zu danken und der Antrag des Gemeinderates zu unterstützen.“

 

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