Personalkosten ungleich reduziert

Die Verwaltung wächst von selbst. Gerade deshalb sind wiederkehrende Sparrunden wichtig. Sie regen an: Braucht es diese Funktion oder jene Stelle wirklich? In der Vorlage des Gemeinderates nehmen sich das nicht alle Direktionen zu Herzen.

Personalkosten machen einen rechten Teil des Aufwandes aus. Wenn in der aktuellen Haushaltsanierung der Blick auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt gerichtet wird, dann müssen zuerst drei Punkte geklärt werden:
Der Lohn und die Arbeitsbedingungen müssen vergleichbar sein und bleiben, das ist eine politische Aufgabe. Die Arbeit muss in der Arbeitszeit zu leisten sein, was eine Managementaufgabe ist. Stellenabbau muss sozialverträglich erfolgen, was bei der hohen Fluktuation der Stadt Biel und mit etwas Zeit möglich ist.

Das wären eigentlich auch die drei Punkte, die der Personalverband vertreten müsste. Dass er sich für eine Steuererhöhung ins Zeug legt (BT 04.04.15), ist umso unverständlicher, als bisher kein einziger ernstzunehmender Versuch unternommen wurde, die Löhne zu senken oder die Arbeitszeit zu erhöhen.
Wenn hier von der Senkung der Personalkosten die Rede ist, dann geht es also um bessere Organisation und Aufgabenverzicht. Um nichts anderes.
Im Sparvorschlag des Gemeinderates werden Personalkosten reduziert. In der Präsidialdirektion fallen etwa 10% der Vollzeitstellen weg, in der Finanzdirektion sind es 6%, in der Baudirektion 2% und in den beiden andern – Bildung und Soziales-Sicherheit – 0%. Wer hat da seine Hausaufgaben nicht gemacht? Wir wollen eine fitte Verwaltung. Das geht nicht ohne die Arbeit der Chefs während der Haushaltsanierung.

Die Berechnungsgrundlagen für diese Analyse:

  1. Als Basis werden der gemeinderätliche Bericht „Nachhaltige Haushaltsanierung (NHS) / Massnahmenpaket 2016+“ und der Geschäftsbericht 2013, Personalstatistik S. 36 verwendet.
  2. Stellenschaffungen werden nicht berücksichtigt, bis auf diejenige des zentralen Einkaufs, die in den Direktionen kompensiert werden können sollte.
  3. In den Ausführungen des Direktors DSS anlässlich der Information des Stadtrates über das Haushaltsanierungspaket wurde präzisiert, dass die Massnahme 3-24 „optimierte Abteilung Soziales“ nicht realisierbar sei. Sie wird also nicht berücksichtigt.
  4. Anlässlich dieser Information hat derselbe Gemeinderat erklärt, dass das Personal, das für die Kontrolle des ruhenden (3-5) bzw. des rollenden (3-7) Verkehrs neu eingestellt wird, die Aufgaben der Marktpolizei (3-6) übernehmen könne. Die Stellenreduktion in 3-6 ist also keine und wird deshalb nicht berücksichtigt.
  5. In den Direktionen DSS und BKS müssten die Mitarbeiter/innen, die kantonal finanzierte Stellen besetzen, nicht berücksichtigt werden, wenn das Verhältnis gebildet wird. Da diese Direktionen keine Stellen abbauen, ist die Korrektur vorläufig nicht nötig.

2 Gedanken zu „Personalkosten ungleich reduziert“

  1. (ausserhalb der Arbeitszeit)
    Lieber Leonard / Die Personaldecke in der Stadt Biel ist seit längerer Zeit mehr als ausgedünnt. Das Stellenmoratorium hat viele Betroffenen nebst viel Überzeit gesundheitlich an den Rand des zumutbaren gebracht. Lohnsenkungen oder Arbeitszeiterhöhungen können wirklich nicht dein Ernst sein. Leistungsverzicht und Steuererhöungen sind die einzigen Massnahmen die hier noch weiterhelfen. Die Schmerzgrenze ist mit dem Topf A (integral) aber endgültig erreicht.
    Urs Stauffer, Präsident Personalverband

    1. Lieber Urs
      Du beschreibst das Problem gut. Die Menschen so an den Rand zu bringen, wie du das beschreibst, ist allerschlechtestes Management. Ich würde auch nie für Lohnsenkungen oder Arbeitszeiterhöhungen sein, gute Arbeit muss ihren Preis haben. Gerade deshalb verlange ich ja auch, dass auf Leistungen verzichtet und Optimierungen in den Abläufen gesucht werden müssen. Ich bin euch dankbar, wenn ihr dies zur Kenntnis nehmt, ich schiesse in keiner Weise aufs Personal und will keine schlechten Arbeitsplätze.
      Hingegen verstehe ich nicht, warum der Topf B oder allenfalls andere Massnahmen keine Option sein sollen. Der Souverän in dieser Sache ist je nach Gegenstand das Volk, der Gemeinderat oder der Stadtrat. Der Gemeinderat und die Verwaltung müssen dann umsetzen. Wenn sie dabei Leute kaputt machen, dann müssen wir die Chefinnen und Chefs schulen oder ersetzen.
      Verstehst du so meine Sicht? Und verstehst du, dass ich durchaus auf der Seite des Personals stehe?

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